Selbstfahrende Fahrzeuge:
Die schöne neue Welt der Mobilität?

 

Spätestens seit der letzten CES in Las Vegas und den Auftritten der Vertreter von Audi, Daimler, BMW und Co. wird deutlich, dass das Thema selbstfahrende Autos oder „autonomous driving“ aktuell einen starken technologischen und medialen Hype erfährt. Die aktuellen Aktivitäten von der selbstfahrenden elektronischen Limousine aus dem Hause Daimler über die autonomen Anreise eines BMW i3 von Kalifornien nach Las Vegas zur CES bis zur Ankündigung von Google eine Testflotte von 150 selbstfahrenden Fahrzeugen produzieren zu lassen, zeigen es bewegt sich langsam wirklich etwas in Richtung Anwendungsfälle für den Massenmarkt. Die potenziellen Anwendungsfelder leistungsfähiger Computer in Kombination mit hoch innovativer Sensorik und Telematiklösungen scheinen im selbstfahrenden Auto den Schritt vom technisch Machbaren zur marktreifen Technologie zu machen.

 

Schon gibt es Überlegungen beim Carsharinganbieter Car2go einen Pilotversuch mit selbstfahrenden Carsharingfahrzeugen in Kalifornien zu starten und der Versicherungskonzern Allianz denkt über die Einführung neuer Versicherungstarife für Autos nach, die auch eigenständig fahren können.

 

Doch was bedeutet das für die Welt der Mobilität und wie wird sie sich verändern?

 

Die Anwendungsfälle durch selbständigfahrende Fahrzeuge sind vielfältig, im (privaten) Individualverkehr genauso wie im öffentlichen Verkehr. Private Autos, die selbständig im Parkhaus parken, uns nachts bei Bedarf abholen oder in Kolonnen effizient auf Autobahnen fahren, alles scheint auf einmal möglich. Vor allem in Kombination mit der Digitalisierung von Dienstleistungen im Bereich Information, Buchung und Zugang scheint nun die vernetzte, multimodale, geteilte Mobilität keine Utopie mehr. Per Smartphone-georderte selbstfahrende Taxen und Carsharingfahrzeuge, die ggf. kostengünstig mit weiteren Fahrgästen geteilt werden,  oder bedarfsorientierte Minibusse, die ohne Linien-, Haltestellen und Fahrplan, flexibel und autonom den Nutzer von A nach B bringen, könnten viele aktuelle Defizite urbaner Mobilität lösen.

 

Die Implikationen für diese neue Welt der Mobilität scheinen offensichtlich:
  • Die Grenzen zwischen Individualverkehr und öffentlichem Verkehr verwischen mehr und mehr: Dies wird privaten Autobesitz besonders in Großstädten noch viel stärker obsolet macht. Wenn noch ein Auto im Haushalt aus Bequemlichkeit oder Komfortgründen benötigt wird, ein 2. oder 3. Wagen erscheinen absolut überflüssig.
  • Der Verkehr wird verlagert und dadurch effizienter: Der Besetzungsgrad in Fahrzeugen steigt. Weniger Privatautos bedeuten gleichzeitig weniger Emissionen, weniger Ressourcenbedarf, geringerer Flächenverbrauch und vieles mehr.
  • Der Verkehr wird sicherer: Weniger übermüdete, abgelenkte, unkonzentrierte oder aus anderen Gründen beeinträchtigte Menschen hinter dem Steuer machen Fehler im Verkehr oder fahren schlicht zu schnell.
  • Der Verkehr wird komfortabler: Die Zeit "hinter dem Steuer" kann für andere Dinge verwendet werden. Seien es Lesen, Essen, Arbeiten, Ausruhen, soziale Medien oder ein Gespräch mit den Mitfahrern im geteilten Selbstfahrtaxi oder Carsharingauto.

Welche Hürden sind noch zu überwinden, um diese Veränderungen zu realisieren?

 

Um die genannten Veränderungen in der schönen neuen Welt der Mobilität zu ermöglichen, sind jedoch aktuell noch einige Probleme zu lösen. Dies umfasst neben technischen Herausforderungen, rechtliche Aspekte und vor allem Fragen zur Akzeptanz selbstfahrender Fahrzeuge durch die potenziellen Nutzer.

 

Im technischen Bereich ist die Frage, wie schnell die positive Erfahrungen in der Anwendung autonomer Autos im Bereich der Langstrecken- und Überlandfahrten sich eins zu eins auf die hochkomplexen verkehrlichen Anforderungen im Stadtverkehr mit einem Wirrwarr an Fahrspuren und Verkehrsteilnehmern (neben anderen Autos auch Busse, Bahnen, Radfahrer, Fußgänger mit Kinderwagen oder Kindern ggf. auf Rollern, Skateboards oder Rollschuhen) übertragen lassen? Der Fahrer eines Autos weiß z.B., dass in bestimmten Wohngebieten oder an neuralgischen Punkten in der Nähe von Schulen oder Kindergärten eine hohe Wahrscheinlichkeit herrscht, dass spielenden Kinder zwischen Autos auftauchen und ist daher besonders wachsam bzw. vorsichtig. Wie wird dieses individuelle Erfahrungswissen durch computergesteuerte Fahrzeuge abgebildet? Im Kontext der aufkommenden Car-to-Car Kommunikation ist es notwendig, dass alle autonomen Fahrzeuge über entsprechende standardisierte Systeme miteinander kommunizieren, um Kollisionen zu vermeiden und auf Gefahrensituationen im Verkehr (Nässe, Glatteis, Hindernissen etc.) zu reagieren. Wenn alle Fahrzeuge autonom fahren und diese Systeme zwangsweise nutzen, ergibt sich ein Netzwerkeffekt, der insgesamt die Sicherheit erhöht. Was passiert aber, so lange noch ein gewisser großer oder kleine Anteil an "dummen" Fahrzeugen im Straßenverkehr unterwegs ist, der ggf. auch noch von irrational agierenden Fahrern gelenkt wird?

 

Im Kontext rechtlicher Fragestellungen ist eine Regelung zu finden, wie autonome Fahrzeuge für den Straßenverkehr zugelassen werden können und welche Anforderungen zur (regelmäßigen) Überprüfung der technischen Zuverlässigkeit im Vergleich zu konventionellen Fahrzeugen notwendig sind. Was heißt dies z.B. für die Kfz-Steuer oder die Regelungen zur HU von solchen Fahrzeugen? Ebenfalls ist die Frage der Haftung bei Unfällen sehr elementar. Liegt diese beim Halter oder primär beim Hersteller? Die Anzahl von (tödlichen) Unfällen lässt sich sicherlich minimieren, aber nicht vollends reduzieren. Wer haftet nun für die Schäden und welche Versicherungen sind weiterhin für wen notwendig?

 

Mit den Fragen der Haftung sind daher auch viele Fragen der Akzeptanz durch den Nutzer verknüpft. In diesem Zusammenhang sind viele Aspekte nicht primär technische oder rechtliche Fragen, sondern eher in Dimensionen von Ethik und Verantwortungsbereitschaft zu sehen. Wenn durch autonome Fahrzeuge die Wahrscheinlichkeit tödlicher Unfälle stark sinkt, lässt man diese dann zu, auch wenn Sie in Einzelfällen andere Verkehrsteilnehmer töten? Bin ich als Halter bereit die Verantwortung für die Schäden durch mein autonomes Fahrzeug zu tragen, auch wenn ich die Steuerung einem Computer überlasse? Selbst wenn dies der Großteil der Nutzer akzeptiert, bleibt ggf. die mentale Blockade und die Frage, kann ich neben den Händen vom Lenkrad auch meine Aufmerksamkeit vollständig vom Verkehr wegnehmen? Falls nein, ist der Nutzen wesentlich geringer als angenommen. Grundsätzlich ist aktuell noch unklar, inwiefern sich Menschen z.B. über die Steuerung von Fahrzeugen von Computern in Ihrem Handeln dominieren lassen. Dies ist immer eine individuelle Abwägung von Selbstbestimmtheit vs. Bequemlichkeit/Komfort. Hier werden die Präferenzen der Nutzer in Summe eher nicht vollends einheitlich sein. Gewisse Nutzergruppen werden dies ablehnen. Auch mag es in Bezug auf die Nutzerakzeptanz Menschen geben, die in den meisten Fällen Spaß am Autofahren haben und daher das Fahren nur in Einzelfällen aufgeben würden und dies einem Computer überlassen.

 

Was bleibt nun von der schönen neuen Welt der Mobilität übrig?

 

All die genannten Aspekte müssen im Kontext computergesteuerte Fahrzeuge zu 100% gelöst werden bzw. bezüglich der Nutzerpräferenzen sich in gewisse Richtungen verschieben, um die immensen Erwartungen durch autonomes Fahren zu erfüllen. Hier ist sicherlich viel Optimismus notwendig, um dies zum heutigen Zeitpunkt uneingeschränkt zu erwarten.

 

Es können durch autonomes Fahren aber viele neue, intelligente und sinnvolle Mobilitätslösungen entstehen. Ebenso wie die Elektromobilität ist es jedoch kein universelles Allheilmittel, welches den Übergang in eine neue Welt effizienterer, nachhaltiger und besserer Mobilität so schnell ebnen wird. Die selbstfahrenden Autos werden zeitnah auf unseren Straßen erscheinen, sofern Sie in Summe etwas sicherer sind als durch „Menschenhand-gesteuerte“ Fahrzeuge. Sie werden aber nur ein Baustein unter vielen anderen sein, um die Mobilität der Zukunft nachhaltiger abzuwickeln als dies heute der Fall ist.


Oktober 2014

Chancen und Herausforderungen integrierter Mobilitätsangebote

 

Die Zukunft der Mobilität wird durch die Verknüpfung multimodaler Angebote in einem einheitlichen Tarifrahmen geprägt werden. Gesellschaftliche, technische und politische Entwicklungen sowie Änderungen in den Präferenzen der Konsumenten induzieren einen Wandel der Nachfrage und der Mobilitätsangebote. Dieser Wandel vollzieht sich weg von den klassischen Angebotsformen hin zu neuen Dienstleistungen. Mobilität wird in dieser Form verkehrsmittelübergreifend verstanden werden. Dabei wird die freie Wahl des Verkehrsmittels zur komfortablen und effizienten Bewältigung eines Weges vom Start zum Ziel im Mittelpunkt stehen.

 

Insgesamt fehlen im Markt zurzeit noch klar definierte Geschäftsmodelle, welche die Potenziale durch integrierte Verkehrsangebote umfassend angehen.
 

 

 


Für die Marktakteure und die öffentliche Hand ergeben sich in diesem veränderten Marktumfeld verschiedene Herausforderungen und Fragestellungen:

  • Wie muss die Gestaltung attraktiver, integrierter Produkte zur Anpassung des Angebotes an die sich wandelnden Kundenpräferenzen aussehen?
  • Wie ist die Integration von Verkehrsmitteln durch Entwicklung einer einheitlichen Benutzerschnittstelle/Plattform realisierbar?
  • Welche Potenziale gibt es zur Erschließung neuer Zielgruppen und der Erhöhung der Kundenbindung?
  • Wie kann man den Gefahren durch Kannibalisierung und neue Wettbewerber pro aktiv entgegenwirken?
  • Welche Flexibilisierung und Erweiterung des lokalen Verkehrsangebotes ist gewünscht? Ist dafür ggf. eine Kofinanzierung sinnvoll?

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Unser Kompetenzprofil


mobilité bietet umfassendes Fachwissen und Verständnis für aktuelle Herausforderungen der Branche. Als Experten für Tarifentwicklung und Organisation bieten wir Konzeption und Umsetzung aus einer Hand. Die Schwerpunkte der für den Kunden ggf. zu bearbeitenden Fragestellungen sind verschieden. Grundsätzlich lassen sich verschiedene Bausteine in diesem Kontext nennen, die in unseren Projekten wiederholt angewendet werden:

 

Konzeption von Geschäftsmodellen für multimodale Angebote

Die Konzeption eines tragfähigen Geschäftsmodells für die Ausweitung des bestehenden Angebotes über einen modularen Ansatz bei der Bündelung von Mobilitätsdienstleistungen durch Kooperation bildet hierfür die Grundlage. Der Fokus liegt hierbei auf der Berücksichtigung von Nachfragepotenzialen in Verbindung mit technischen Möglichkeiten. Alle hierfür erforderlichen Maßnahmen fließen in ein Geschäftsmodell für integrierte multimodale Mobilitätsangeboten ein, das den strategischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Rahmen beschreibt.

 

Potenzialorientierte Angebotsgestaltung

Eine potenzialorientierte Vorgehensweise zur Angebotsgestaltung stellt bei der Konzeption integrierter Angeboten den zentralen Erfolgsfaktor dar. Für die Konzeptentwicklung von multimodalen Verkehrsangeboten muss somit für einen umfangreichen Mobilitäts-Mix eine passende Produktkombination von Mobilitätsdienstleistungen geschaffen werden. Im Rahmen der Produktgestaltung gilt es daher, die bestehenden Angebote durch eine Flexibilisierung von Inhalten und Leistungsumfang für eine breitere Zielgruppe attraktiv zu machen und auch die Gelegenheitsnutzer verstärkt anzusprechen. Unser Ansatz beruht daher auf einer strikten Orientierung am Markt und dem zu schaffenden Nutzen für den Endkunden durch neue Angebote, die verschiedene Verkehrsmittel zusammenführen.

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Mobilität der Zukunft: Radiobeitrag von mobilité-Geschäftsführer Jörg Sarnes

 

21 private Rundfunksender haben in den letzten Wochen deutschlandweit den Beitrag „Raus aus dem Verkehrs-Chaosland Deutschland - Wie Uber, Fernbusse und Co. die Mobilität junger Leute verändern“ ausgestrahlt. Als Experte zum Thema kommt mobilité Geschäftsführer Jörg Sarnes in seiner Funktion als Vorstandsmitglied des BDU-Fachverbandes Öffentlicher Sektor, zu Wort. Er spricht über verändertes Nutzerverhalten, die Herausforderungen für den ÖPNV und die Investitionsanforderungen an Städte und Kommunen.

Radiobeitrag abspielen

 

Aktuelles Projektbeispiel

 

mobilité unterstützt die Stadt Freiburg und die Freiburger Verkehrs AG bei der Konzeptentwicklung für multimodale Angebote.

 

Aktuelle Pressemeldungen: 

Integrierte Mobilität in Freiburg - Stadt und VAG stellen gemeinsames Gesamtkonzept vor

ÖPNV, Car-Sharing, Leih-Fahrräder – Freiburg will Verkehrsmittel koppeln

 

Studie zu multimodalen Mobilitätskonzepten im deutschen Markt

 

Die in Kooperation mit der Universität zu Köln durchgeführte Studie liefert spannende Ergebnisse zu Rollenmodellen sowie Chancen und Herausforderungen im Bereich multimodaler Verkehrsangebote. Zusätzlich gibt Sie einen umfassenden Überblick zu den aktuellen und zukünftigen Marktentwicklungen aus Anbietersicht. Dabei werden Potenziale zur Generierung zusätzlicher Nachfrage und Schaffung neuer Kundengruppen eindeutig im Markt wahrgenommen. Insbesondere bei Mobilitätskarten wird eine starke zukünftige Ausweitung des Angebotes erfolgen. Diese ermöglichen Zugang und Nutzung verschiedener Verkehrsangebote (ÖPNV, Car-/Bikesharing, Taxi etc.) sowie die Abrechnung über ein Kundenkonto. 

 

Bei Interesse an der Studie und für weiterführende Informationen kontaktieren Sie bitte Herrn Dr. Hendrik Koch.

 

 

 

Ansprechpartner

Dr. Hendrik Koch verfügt über eine vertiefte Fach- und Methodenkompetenz in den Bereichen Unternehmensentwicklung und innovative Geschäftsmodelle sowie umfassende Erfahrung im Bereich quantitativer/qualitativer und empirischer Analysemethoden.

Dr. Hendrik Koch

Senior-Berater

 

+49 221 921827-15

hendrik.kochmobilite.de

 

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