Wettbewerb im SPNV & ÖSPV

 

Derzeit rollt wieder eine Ausschreibungswelle durch den deutschen SPNV-Markt. Die Aufgabenträger überlegen, welchen SPNV sie sich in der Zukunft leisten können und wie sie ihre Teilnetze am erfolgreichsten am Markt platzieren.

 

Die Eisenbahnverkehrsunternehmen halten Ausschau nach den attraktivsten Netzen und trimmen ihr Leistungsangebot weiter auf Wettbewerbsfähigkeit. Für beide Akteursgruppen im Markt bedeutet dies: Sie müssen sich gegen ihre Konkurrenz durchsetzen.

 

Die Aufgabenträger müssen attraktive Rahmenbedingungen setzen, um möglichst viele Bieter für den Vergabeprozess zu gewinnen. Nur so kommt es am Ende zu wirtschaftlichen Angeboten und den erhofften Effizienzgewinnen. Der Entscheidungsbedarf für die Aufgabenträger ist dabei vielfältig und der Aufwand der Erstellung von Vergabeunterlagen daher enorm:

 

 

  • Größe- und Zuschnitt der Netze
  • Vertragslaufzeit und Vertragsart (Netto, Brutto mit oder ohne Anreizsystem)
  • Fahrzeug- / Betriebsanforderungen
  • Marketing- und Vertriebsanforderungen
  • Qualität der Verdingungsunterlagen (Vollständigkeit, Eindeutigkeit)
  • Umgang mit Risiken (Erlös-, Kostenrisiko)

Anhand der genannten Punkte entscheiden sich die Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU), an welchen der Vergaben sie sich beteiligen werden. Für die EVUs ist die Angebotserstellung immer eine sehr arbeitsintensive, stressige Zeit. Projektteams werden eingesetzt, Verdingungsunterlagen ausgewertet, Rückfragen gestellt. Besonders intensiv wird die Verfügbarkeit geeigneter Fahrzeuge geprüft, Umlauf- und Schichtpläne konzipiert, um die konkreten Mengengerüste für Fahrzeuge und Personal zusammenzustellen. Kostenseitig kann dabei i. d. R. auf eine breite Erfahrungsbasis aufgebaut werden, sodass die Prognose mit relativ großer Sicherheit durchgeführt werden kann. Großzügige Aufschläge für Unsicherheiten können auch kaum einkalkuliert werden, denn nur mit effizienten Kostenstrukturen und einer scharf kalkulierten Erlösprognose lassen sich in Deutschland noch SPNV-Ausschreibungen gewinnen.

 

Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass Ausschreibungen häufig auf der Erlösseite gewonnen wurden, da die EVUs bei den Kostenstrukturen oftmals eng bei einander waren. Die Abweichungen bei den Erlöserwartungen waren dabei deutlicher. Einige EVUs haben so zwar die Ausschreibung gewonnen, aber über die Laufzeit des (Netto-)Verkehrsvertrages empfindliche finanzielle Verluste erlitten.

 

Die Durchführung einer Nachfrage- und Erlösprognose für einen Zeitraum bis zu 15 Jahre in die Zukunft hinein erscheint dabei wie ein Blick in die Glaskugel. Es ist recht leicht, sich durch einige optimistische Annahmen „glücklich zu rechnen“. mobilité hat daher im Verlauf einer Vielzahl von Beratungsprojekten zu diesem Thema eine Methodik für die Nachfrage- und Erlösprognose entwickelt, die auf wenigen Stellgrößen und möglichst großer Transparenz basiert. Wichtige Eingangsdaten sind dabei:

 

 

  • Basisnachfrage- und Erlösdaten (aus Zählungen oder Erhebungen)
  • Demografiedaten (nach Altersklasse und Gemeinden)
  • Änderungen der Betriebsleistung (Zeitpunkt der Erhebung vs. nach Betriebsaufnahme)
  • Prognose der Mobilitätsentwicklung der Bevölkerung
  • Entwicklung der strukturellen Rahmenbedingungen (Infrastrukturmaßnahmen, Arbeitsgeberentwicklung etc.)

Alle Grundlagendaten werden in einem Kalkulationstool miteinander verknüpft, sodass Simulationsrechnungen und Szenarien möglich sind. Die getroffenen Annahmen werden transparent dargestellt.

Auf dieser Basis lassen sich nachvollziehbare und fundierte Nachfrage- und Erlösprognosen durchführen, die ein wichtiger Baustein für ein wettbewerbsfähiges Angebot sind. Und ein böses Erwachen nach Betriebsaufnahme vermeidet.

Ansprechpartner

Nils Hansen · Prokurist und Projektmanager. Branchenerfahrung mit Schwerpunkten Public Transport, Financial Services und Telekommunikation

Nils Hansen

Projektmanager

 

+49 221 921827-20

nils.hansenmobilite.de

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