Smart Cities: Jahrhundertchance oder digitaler Irrweg?

von  Jörg Sarnes


Kommunen droht Verlust der Gestaltungshoheit – Anbieter digitaler Geschäftsmodelle drängen in den Öffentlichen Sektor – Sektoren wie Energie, Verkehr, Wohnen oder Umwelt müssen gekoppelt werden – Zielbild und Strategie sind Chefsache | BDU hat die Ergebnisse des Thinktanks »Smart Cities« unter Mitwirkung von mobilité in einem Themendossier veröffentlicht.                                                          

 

Städte und Kommunen in Deutschland stehen am Scheideweg und müssen zeitnah eine Antwort auf die Frage finden: Wie nutzen wir intensiv die Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung? Für ein Expertenteam aus dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) mit Spezial-Know-how in der Öffentlichen Hand, der Energiewirtschaft sowie dem Öffentlichen Personennahverkehr fällt die Antwort eindeutig aus. Städte und Kommunen, die keine passende Smart City-Strategie verfolgen und die Chancen für Vernetzung und Innovationen brachliegen lassen, könnten schon in naher Zukunft das Nachsehen haben und an Attraktivität verlieren. In einem gemeinsamen Thinktank-Themendossier „Smart Cities: Jahrhundertchance oder digitaler Irrweg“ plädieren die Unternehmensberater dafür, die Entwicklung einer Smart City unbedingt zur Chef-sache zu machen. Der Erfolg werde sich nur dann einstellen, wenn die Verwaltungsspitze die Idee, die Strategie und die Initiativen mit hoher Präferenz vertritt, vorantreibt und kommunale Infrastrukturfelder – zum Beispiel mit den Sektoren Energie, Verkehr, Umwelt, Entsorgung oder Wohnen – koppelt.

 

Nach Einschätzung der BDU-Experten müssen hierfür alle städtischen Sektoren sowie alle öffentlichen und privaten Leistungsanbieter des kommunalen Systems durchgängig vernetzt sein. Wichtige Voraussetzung bei der Weiterentwicklung der Smart City-Initiative ist dabei eine zentrale, gemeinsame Datenebene. Damit soll gewährleistet sein, dass die Betriebsdaten der Systempartner, zum Beispiel für Analyse- und Steuerungszwecke, umfassend genutzt werden können. Auf dieser Basis lassen sich sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile erzielen. Wichtig dabei: Hoheit und Verantwortung über die Datenerfassung, -nutzung und -verwendung liegen in den Händen der Kommunen.

 

Der zentrale Leitgedanke bei der Entwicklung von Smart Cities muss darin liegen, die Bürger mit ausgeprägter Nutzerfreundlichkeit und unmittelbar erkennbaren Mehrwerten zu überzeugen. Die starke Bürgerorientierung

führt zwangsläufig dazu, tradierte Kompetenz- und Handlungsfelder in Frage zu stellen und neue Schwer-punkte zu setzen. Der Verbesserung der Verkehrssituation fällt dabei eine tragende Rolle zu. Die Städte über-nehmen eine stärkere Ordnungsfunktion und stellen den Handlungsrahmen für das Mobilitätssystem zur Verfügung. Vorteil: Alle Leistungsangebote öffentlicher und privater Anbieter können mit einer (App-) Anwendung in Anspruch genommen werden und die Stadt bestimmt einheitliche Spielregeln und die zu erfüllenden Qualitätskriterien durch die Systempartner. Dazu gehört auch die Nutzung der Mobilitätsdaten durch die Anbieter (Bus, Bahn, Car Sharing, Bike Sharing, Ride Sharing, On Demand Shuttles). Eine Weitergabe oder gar der Verkauf der Daten an Dritte muss äußerst sorgfältig geprüft werden, damit der diesbezügliche Vertrauensvorschuss der Kommunen nicht aufs Spiel gesetzt wird.

 

Neben den nutzerorientierten Mobilitätslösungen spielen verknüpfte Angebote bei Energie und Wohnen eine besondere Rolle. Vor dem Hintergrund von Energiewende, Umbau des Erzeugungs-Mix sowie technologischen Innovationen bieten sich neue Bürgerangebote und Geschäftsmodelle für die Anbieter im Zusammen-spiel von Energie- und Wohnungswirtschaft an. Smart Home-Lösungen in der kommunalen Wohnungswirtschaft, der gemeinsame Aufbau und Betrieb einer Ladesäuleninfrastruktur oder die dezentrale Energieerzeugung und Mieterstrommodelle sind nur einige Beispiele. Immer im Mittelpunkt der Initiativen: Die Lebensqualität der Bürger durch moderne Quartierskonzepte erhöhen.

 

Zentrale Handlungstreiber als Fazit


- Es ist an der Zeit, dass Städte und Kommunen ihrer aktiven Führungsrolle beim Thema Smart City gerecht werden und die proaktive Steuerung übernehmen.

- „Weiter so“ ist keine Option unter dem Druck der Digitalisierung. Die Vernetzung aller städtischen Sektoren heißt, nicht an alten Strukturen festzuhalten, sondern neue Wege zu gehen.

- Bürger haben bei Datensicherheit mehr Vertrauen in Kommunen als in Industriekonzerne – dieser Vertrauensvorsprung ist eine echte Chance.

- Der städtische Verkehr muss intelligent gesteuert werden. Das geht nur unter Auswertung der Bewegungs- und Zieldaten aller öffentlicher und privater Teilnehmer.

- Ein guter Anfang: Eine App, die alle städtischen Verwaltungsaktionen, Energieangebote, Mobilitäts-dienstleistungen u.v.m. steuert.

     

 

Autoren des Thinktank-Themendossiers „Smart Cities: Jahrhundertchance oder digitaler Irrweg?“

Jörg Sarnes, mobilité Unternehmensberatung GmbH & Co.KG

Dr. Klaus Neuhäuser, Baker Tilly

Robert Horndasch und Reinaldo Paschold, BearingPoint GmbH

 

Download Themendossier: www.bdu.de/media/352644/thinktank-smartcity.pdf





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